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Rundbrief Nr. 43

Liebe Freunde,

dieser Rundbrief soll dem Ende einer Ära und dem Neubeginn gewidmet sein, denn nach knapp 12 Jahren Betreuung in unserem Kinderheim gaben Navaraj Budhathoki und seine Eltern Mitte Februar auf eigenen Wunsch diese Arbeit auf und kehrten in ihr Dorf im Südwesten von Nepal (Nähe Nepalganj) zurück. Schwester und Bruder hatten uns schon das Jahr zuvor verlassen, um ins Ausland zu gehen.

Navaraj mit seinen Eltern
(v.l.n.r.) Navaraj mit seinen Eltern

Mit zwei Hand voll Kindern begann Navaraj am 1.8.2007 zusammen mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester bei uns seine Tätigkeit. Als sein Vater und sein jüngerer Bruder zu uns stießen, war das Familienunternehmen komplett. Unter Navarajs Leitung widmeten sie sich ihrer neuen Aufgabe von Herzen, wollten aufgrund der großen Not auch immer weitere Kinder aufnehmen, so dass wir heute 164 Kinder vom Kindergartenalter bis zur Selbständigkeit bei uns beherbergen und versorgen. Wir sind Navaraj sehr dankbar für die von ihm geleistete Arbeit, dem Auf-und Ausbau unseres Kinderheims, der Fürsorge, die er den Kindern angedeihen ließ. Er war ein genialer Organisator, die Kinder mochten ihn und er sie umgekehrt auch.

Durch ihn und seine Familie haben die Kinder ihr Leben prägende Erfahrungen gesammelt, die –wie auch in unserem Leben in unserem Elternhaus -sowohl positiver als auch negativer Natur sind. Das Positive überwiegt, denn den Kindern ist die Trennung nicht leichtgefallen.

 

Der Abschiedsschmerz wurde durch die Tatsache gemildert, dass unser neues Führungspersonal unseren Kindern bereits bekannt und bis auf eine Ausnahme schon in anderen Funktionen in unserer Einrichtung tätig war. Dazu kam noch, dass Navaraj den Alltag der Kinder gut durchstrukturiert hatte, so dass alles –eben nur ohne ihn –im täglichen Leben seinen bisherigen Gang weitergehen konnte.

Bis auf unsere Hauseltern, ein reiferes Ehepaar, besteht unsere neue Führungsriege aus jungen Männern unter 30. Hauptverantwortlicher ist der  29-jährige Rajesh Adhikari aus dem recht armen Distrikt Ramechhap, der vor vier Jahren, zunächst noch als Schüler der 11. und 12. Klasse, zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern und einem Neffen,  zu uns kam. Rajesh stammt aus einer Familie mit 12 Kindern, von denen fünf bereits tot sind. Seit seinem 3. Lebensjahr musste er zu Hause mithelfen und hatte ab seinem 6. Lebensjahr gerade einmal vier Jahre lang die Schule besucht, als seine Eltern ihn mit einem Onkel nach Kathmandu schickten.  Der Vater erwirtschaftete nicht genügend für den Unterhalt der Familie. Rajesh sollte sich seinen Lebensunterhalt ab jetzt selbst verdienen, wenn möglich sogar noch etwas Geld nach Hause schicken.  Der Onkel nahm den Neffen mit in die Stadt, wo dieser zum ersten Mal Autos und andere Fahrzeuge sah, was ihn gleichzeitig in Staunen und Schrecken versetzte. Aber statt den Jungen zu sich nach Hause zu nehmen, setzte er ihn an einem Tempel ab und überließ ihn seinem Schicksal. Mit allen möglichen Tätigkeiten vom Tellerwäscher über Bauarbeiter und Händler bis zum Rikschafahrer boxte sich Rajesh die nächsten Jahre durch. Mangels eines Zimmers musste er sogar ca. ein Jahr lang in seinem Gefährt schlafen.  Als er ca.15 Jahre alt war, nahm sein Leben eine schicksalhafte positive Wendung. In seiner Rikscha beförderte er einen dänischen Touristen, der ihn fortan finanziell und persönlich förderte und wie ein zweiter Vater für ihn wurde. Mit 23 Jahren fing Rajesh wieder an, die Schulbankzu drücken. Inzwischen hat er britische A-levels, denn man kann in entsprechenden Privatschulen in Nepal auch ein ausländisches Abitur erwerben. Rajesh wuchs langsam in unsere Organisation hinein.

Anish, Sunil, Krishna, Rajesh , Tilak (v.l.n.r)
Anish, Sunil, Krishna, Rajesh , Tilak (v.l.n.r)

Anish Ghimire ist der jüngste im Führungsteam. Er und Rajesh waren Klassenkameraden von der 8.-10. Klasse. Während unsere Kinder in der Schule sind, besucht er die Uni, um einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften zu machen. Anish stammt aus einer gut bürgerlichen Familie in Kathmandu und fühlt sich bei uns pudelwohl. Da er Mittlere Reife und Abitur mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften mit Auszeichnung bestanden hat, sehr viel natürliche Autorität ausstrahlt und dazu noch alle um eine Haupteslänge überragt, eignet er sich sehr gut als Betreuer für die größeren Kinder.

 

Tilak Bohara stammt aus einer bitterarmen Familie aus dem sehr armen und rückständigen im Westen liegenden Distrikt Jajarkot. Er ist zusammen mit Navaraj im Asha Ashram (Waisenhaus) des französischen Vereins aufgewachsen. Mit einem Bachelor in der Tasche wollte er nicht als Arbeitsloser nur zu Hause herumsitzen, sondern beschloss, da auch ein Neffe von ihm bei uns untergebracht ist, bei uns mitzuhelfen –zunächst als Volontär, inzwischen als fest angestellte Kraft.  Mit viel Hingabe kümmert er sich um unsere wuseligen Jüngsten vom Kindergartenalter bis einschließlich 4. Klasse.

Krishna Nepali hat einen Bachelor als Ingenieur, aber leider noch keine geeignete Arbeit in seinem Beruf gefunden. In seiner Freizeit bastelt er kleine fliegende Geräte, mit denen er sich die Bewunderung aller Kinder und Erwachsenen erheischt. Auch künstlerisch ist er sehr begabt: er hat sich selbst das Flötenspielen auf einer nepalesischen Flöte beigebracht, die an eine Querflöte erinnert. Außerdem bastelt er mit Strohhalmen sehr schöne Bilder. Das nepalesische Fernsehen hat vor einiger Zeit diesen jungen Mann, der auch aus einer sehr armen Familie in Dhading stammt und sich hocharbeiten musste, in einer Sendung vorgestellt.

Durga, Melina, Saru (v.l.n.r)
Durga, Melina, Saru (v.l.n.r)

Sunil Khanal war an der Schule der Kinder als Mathematiklehrer angestellt, war gleichzeitig pädagogischer Leiter dort und betreute das Internat der Schule. Auch er hat sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet. In seiner Obhut befinden sich unsere Jugendlichen, die an einem Bachelor arbeiten, eine Berufsausbildung machen oder die 10.-12. Klasse besuchen. Er wohnt mit ihnen in unserem dritten Haus, in dem wir bis Ende November nur unsere beiden Apartments für unsere ganz Großen hatten. Da die Hausbesitzerin aus gesundheitlichen Gründen auszog, mieteten wir das ganze Haus, denn den zusätzlichen Platz können wir gut gebrauchen.

 

Zusätzlich beschäftigen wir noch stundenweise drei Nepalesen, die mit unseren Kindern die vielen Hausaufgaben bewältigen und teilweise auch bei der Freizeitgestaltung mitwirken: Durga Dawadi, der auch einst im französischen Verein aufgewachsen ist, und die beiden Frauen Melina Poudel und Sarmila Basnet, genannt Saru. Sie gewährleisten Kontinuität, denn unsere ausländischen Praktikanten dürfen sich maximal fünf Monate pro Kalenderjahr in Nepal aufhalten.

Sukram Chaudhary
Sukram Chaudhary

Bei unserer großen Kinderschar wurde es notwendig, eine medizinische Versorgung im Haus zu haben. Schon unter Navaraj hatten wir daher einen „health assistant“, einen Krankenpfleger eingestellt, der, wenn er in Nepalaußerhalb des Kathmandutals arbeitet, viele Kompetenzen eines Arztes ausübt, denn kein Mediziner will in entlegenen Gegenden praktizieren. Sukram Chaudhary ist auch im französischen Verein aufgewachsen.

Hari Devi und Dal Bahadur Rawat
Hari Devi und Dal Bahadur Rawat

Das Herzstück unserer Häuser sind unsere Hauseltern Hari Devi und Dal Bahadur Rawat. Hari Devi war unsere allererste Köchin, die buchstäblich alle unsere Kinder schon bekocht hat und daher alle kennt. Ihr Mann, ein inzwischen aus gesundheitlichen Gründen arbeitsloser Träger (Sherpa), fing im vergangenen Jahr an, bei der Hausaufgabenbetreuung unserer jüngeren Kinder mitzuhelfen. Die beiden kümmern sich rührend um die Kinder, die sie voll und ganz in ihrer neuen Funktion angenommen haben.

 

 

Seit langem forderte der SWC -das nepalesischeJugendamt –uns auf, unsere Kinder nach der 4. Klasse bis zur 10. Klasse nach Geschlechtern zu trennen. Die Gemeindeverwaltung stieß auch in dieses Horn. Nun sind wir dieser Aufforderung nachgekommen. Bisher hatten wir die Kinder nach Klassen in den beiden Häusern aufgeteilt. Die Buben gingen in unser altes Dhapasi-Haus, neben dem der Sportplatz liegt, damit sie nur aus dem Haus stürmen müssen, um sich austoben zu können. Die Mädchen haben nun zusammen mit den kleinen Kindern den Hof in unserem zweiten Haus für sich und haben Platz zum Spielen, ohne dass ihnen dieser von den Buben streitig gemacht wird.

Wie im letzten Rundbrief schon erwähnt, besuchen Ashok Dahal und Jay Prakash Bohara die internationale 10. Klasse am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar. Sie haben für diesen Rundbrief kurze Beiträge über ihr hiesiges Leben auf Deutsch verfasst. Bewusst haben wir ihre sprachlichen Fehler stehen lassen. Wir sind einfach stolz darauf, wie gut sie Deutsch gelernt haben und beglückwünschen sie von Herzen zu diesem Erfolg.

Ashok und Jay Prakash (v.l.nr.)
Ashok und Jay Prakash (v.l.nr.)

Ashok schreibt:

In der Schule mag ich das Fach Deutsch am liebsten, denn da ich viel lernen und sprechen kann. Es macht Spaß in der Schule zu sein. In Nepal ist die Schule ganz anders. In der zehnten Klasse müssen wir um 5 aufstehen und bis 6 abends in der Schule bleiben. Das ist natürlich sehr anstrengend. Und die Schüler sprechen auch nicht so viel im Unterricht wie hier.

In Deutschland stehe ich um 6 auf und frühstücke. Danach gehe ich zur Schule. Und nach der Schule mache ich meine Hausaufgabe oder wenn ich keine Hausaufgabe habe dann spiele ich Fußball oder Gitarre.

Ich habe hier viel gelernt zum Beispiel Kochen, Fahrrad fahren, Schwimmen, Fahrräder reparieren und Ski fahren(Österreich). Gestern habe ich gelernt wie man Erdbeermarmelade macht.

Jay Prakash mit seinen Gasteltern
Jay Prakash mit seinen Gasteltern

Und Jay Prakash berichtet Ähnliches:

Für mich war am Anfang alles neu: die Straße, die Autos, die Häuser und alles. Vor allem die Straßen überraschten mich.

In der Schule sind meine Lieblingsfächer Sport und Deutsch. Ich finde Deutsch lernen und Sportzu machen super. In Nepal wir haben keinen Sportunterricht. Ich finde das sehr schade.

Ich habe hier sehr viel gelernt zum Beispiel kochen, Fahrrad fahren, schwimmen, Snowboard fahren, Motorrad fahren und Kuchenbacken.

 

Die beiden gehen im August wieder nach Nepal zurück, um dort ihr Abitur zu machen. Sofern das Auswärtige Amt mitspielt, kommen zwei neue Jugendliche, denn die Gastfamilien und die Schule waren vom Verhalten und der Lernbereitschaft dieser beiden Buben so angetan, dass sie uns empfahlen, das Programm fortzusetzen.

 

Wenn Sie künftig unseren Rundbrief per Mail wollen, schicken Sie uns bitte Ihre E-Mailadresse an info@hausderhoffnung-nepal.de.

Wir haben noch Platz für neue Praktikantinnen und Praktikanten. Unverbindlich reinschnuppern kann man beim Einführungstag für Praktikanten am 27.07.2019.

Wir suchen auch dringend weitere Paten. Patenschaften gibt es ab 30 Euro im Monat. Ihre Spende kommt zu 100 % bei den Kindern an.

Näheres zu allem finden Sie hier auf unserer Webseite.

 

Abschließend danken wir Ihnen wieder für Ihre so wertvollen Spenden. Bleiben Sie uns bitte weiterhin gewogen, denn wir benötigen Ihre Unterstützung dringend.

Ganz herzlich grüße ich Sie als


Eine Vielzahl weiterer Rundbriefe, der vergangenen Jahre, finden sie auch in unserem Downloadbereich zum herunterladen als pdf.

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