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Verdoppelungsaktion Coronahilfe & Fortführung Entwicklungszusammenarbeit

In unseren letzten Blogbeiträgen haben wir Ihnen ja schon immer wieder Updates zur aktuellen Corona bedingten Situation in Nepal gegeben. Während wir hier in Deutschland aktuell glücklicherweise immer weniger Neuinfektionen beobachten können, steigen in Nepal inzwischen die Fallzahlen erheblich an, so gibt es nach Angaben der WHO vom 11. Juni 2020 inzwischen 4 364 bestätigte Fälle.

In unseren Häusern geht es glücklicherweise allen gut, auch wenn der Alltag natürlich etwas anders aussieht, denn in Folge des Lock-downs sind die Schulen immernoch geschlossen und auch die Abschlussprüfungen der 10. Klässler lassen noch auf sich warten.

Blickt man auf Nepal als Ganzes sieht das etwas anders aus. Gerade der Lock-down ist ein harter Einschnitt in das Leben vieler Menschen und für viele sogar lebensbedrohlich, weshalb wir uns nun entschieden haben aktiv zu werden.

Doch auch abseits von Corona gibt es zwei wichtige Nepal betreffende Anliegen, auf die wir Sie in diesem Beitrag aufmerksam machen möchten. Es geht dabei um die Zukunft der deutsch-nepalesischen Entwicklungszusammenarbeit und die Dalit. Zu beiden Anliegen besteht eine Petition die wir gerne unterstützen.

Familie mit Lebensmittelpaket

Lebensmittelpakete für durch den Hunger bedrohte Nepalesen

Durch den Lock-down seit Ende März gibt es in Nepal eine totale Ausgangssperre, die zum Verlust des Arbeitsplatzes der vielen als Tagelöhner tätigen Nepalesen führte. Da es in Nepal kein Kurzarbeitergeld gibt, und Tagelöhner keine Reserven haben, müssen Arbeitslose buchstäblich (ver)hungern, wenn wir ihnen nicht helfen.  Unser Leiter, Rajesh, meldete vor einigen Tagen, dass sich 772 Menschen erhängt und 184 vergiftet hätten, um dem qualvollen Hungertod zu entgehen. Diese Selbstmordrate übertrifft bei weitem die Zahl der 15 gemeldeten Corona-Todesfälle (Stand 11. Juni 2020). In Absprache mit unseren Mitarbeitern in Nepal haben wir daher entschieden, dass wir an dieser Stelle aktiv werden wollen. 

Wir haben bis jetzt schon 15 in Not geratenen Familien geholfen. Sie bekamen 30 kg Reis, 4 kg Dal (Linsen), 1 kg Sojabohnen, 2 l Öl, 2 Päckchen Salz, 2 kg Zucker, evtl. noch 30 Eier und Kochgas. Je nach Familiengröße dürfte dies für 30 – 40 Tage reichen.  Da aber noch nicht klar ist lange der Lock-down noch andauert, ist es schwer abzuschätzen, wie viele Pakete wir benötigen werden.
Wenn die für die Aktion veranschlagten 2500 Euro aufgebraucht sind und noch weiterer Bedarf besteht, müssen wir neu überlegen, wie wir weitermachen wollen und können. Sollten sich nicht genügend Bedürftige an uns wenden, würden wir auch auf andere vertrauenswürdige Organisationen oder Einzelpersonen zugehen, die in anderen Regionen Hilfe leisten, denn wir wollen so viel Not wie möglich lindern.

Verdoppelungsaktion am Freitag 12. Juni 2020

Am Freitag, 12. Juni 2020 um 12.00 Uhr führt die Kreissparkasse Ostalb wieder eine Verdoppelungsaktion zugunsten von Coronahilfeprojekten durch, an welcher wir gerne teilnehmen möchten, um über diese Spenden weitere Lebensmittelpakete zu finanzieren.

Sofern Sie teilnehmen wollen, setzen Sie sich bitte ca. 5-10 Minuten vor 12.00 Uhr an Ihren PC, kopieren und öffnen den folgenden Link in Ihrem Browser: www.gut-fuer-die-ostalb.de/projects/81778 oder klicken Sie auf den Button „Informieren & Spenden“ hier auf der Seite.

Gehen Sie dann auf "Jetzt spenden" und tragen Ihre Spendensumme, Name, Adresse und Zahlungsart ein. Bis zu 50 Euro kann jeder Betrag verdoppelt werden. Insgesamt stellt die Kreissparkasse Ostalb 10.000€ zur Verfügung, erfahrungsgemäß werden diese aber schon nach ca. 1 - 3 Minuten verteilt sein.


Dank Ihrer großen Spendenbereitschaft waren wir bei den bisherigen Verdoppelungsaktionen immer sehr erfolgreich. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dies auch dieses Mal wieder wären.

Im Voraus danken wir Ihnen sehr herzlich für Ihre treue Unterstützung.

Petition zur Fortführung der Deutsch-Nepalesischen Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat im Rahmen seines Reformkonzept „BMZ 2030“ verkündet, aus der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit mit Nepal aussteigen zu wollen. Insgesamt soll die Zusammenarbeit mit 25 Ländern beendet werden, darunter neun der Least Developed Countries, zu denen auch Nepal gehört.

Nach welchen Kriterien die Länder ausgewählt wurden, wurde vom BMZ bisher nicht transparent veröffentlicht. In Medienberichten zählen zu den Kriterien Erfolge in der Korruptionsbekämpfung, Good Governance und die Achtung der Menschenrechte. Gerade in diesen Bereichen hat Nepal in den vergangenen Jahren positive Entwicklungen zu verzeichnen, nachdem der Staat den Übergang von einer konstitutionellen Monarchie in eine föderale Demokratie geschafft hat.

Wie es zu dieser Entscheidung kam ist allerdings durchaus fraglich, da Nepal gerade in der jetzigen Situation mit den Herausforderungen der Corona-Krise besonders vulnerabel ist. Es sollte daher weiterhin unterstützt werden, zumal die Programme der staatlichen Zusammenarbeit insgesamt erfolgreich laufen, und nur so an diesem Erfolg angeknüpft werden kann.

Ein Ende der bilateralen Zusammenarbeit würde in jedem Fall ein Vakuum in Nepal hinterlassen und Strukturen zerstören, was eventuell auch Teile unserer Arbeit in Zukunft schwieriger machen könnte.

Es würde uns freuen, wenn Sie mit uns zusammen die von der Deutsch-Nepalesischen Gesellschaft und dem Long Yang e.V. gestartete Petition unterstützen. Diese richtet sich an Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und fordert, die Entscheidung rückgängig zu machen, Solidarität zu zeigen und die bilaterale Zusammenarbeit auch in Zukunft fortzuführen!

Gerne können Sie uns auch beim Verbreiten des Anliegens helfen. Material dazu finden Sie in unserem Downloadbereich.

Wir arbeiten aktuell an einem weiteren Blogbeitrag zu diesem Thema, in dem wir Ihnen einige weitere Infos und Hintergründe liefern möchten.

Dalit Morde in Nepal

Mit Sicherheit haben Sie in den letzten Tagen etwas von den „Black Lives Matter“ Protesten mitbekommen, die in Folge des Todes von George Floyd weltweit stattgefunden haben und damit auch hier in Deutschland eine Diskussion rund um das Thema Rassismus losgetreten haben. Gerade in den sozialen Netzwerken wurden dabei unzählige Posts mit dem Hashtag #blacklivesmatter geteilt, zum Teil fand man daneben aber auch weitere andere Gruppen betreffende Hashtags, einer davon der gerade auch von Nepalesen geteilt wurde ist #dalitlivesmatter.

Doch wer sind die Dalits?

Dalits sind Menschen der niedrigsten Kaste, sie gelten auch als “Unreine“ und „Unberührbare“. 

Eigentlich wurde die Diskriminierung einzelner Kasten schon mit der nepalesischen Verfassung von 1962 als unrechtmäßig erklärt, was auch die Bedeutung des Kastensystems etwas herabgesetzt hat. Doch gerade in den Dörfern spielt das Kastensystem bis heute eine große Rolle. Die Folgen davon bekommen vor allem die unteren Kasten zu spüren.

Erst kürzlich ist es wieder zu Angriffen und Morden gegenüber den Dalits gekommen. Unter anderem wurde dabei ein 12-jähriges Dalit-Mädchen erhängt, nachdem es am Vortag mit ihrem Vergewaltiger zwangsverheiratet wurde.

Amnesty International hat nun eine Petition gestartet, in der die Regierung aufgefordert wird, die Vorfälle unabhängig zu Untersuchen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die Dalits in Zukunft besser geschützt werden.

Da wir selber auch viele Dalit Kinder aufgenommen haben, ist es auch uns als Verein ein Anliegen, die Rechte dieser zu verbessern. Momentan sind auch einige der Dalit Kinder, die normalerweise bei uns wohnen bei ihren Familien. Es hätte anstelle des 12-jährigen Mädchens also auch genauso gut eines unserer Kinder treffen können.

Auch hier bedanken wir uns bei allen, die dieses Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützen und vielleicht auch weiterverbreiten. 

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