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Wahlen in Nepal

 

 Nach den friedlichen Protesten der Gen Z am 9. September 2025 gegen die Korruption und die Vetternwirtschaft der herrschenden Regierung und nach den Ausschreitungen am 10. September, bei der historische und andere Gebäude in Brand gesetzt wurden sowie 76 fast ausschließlich junge Menschen ihr Leben verloren, wurde für sechs Monate eine Interimsregierung mit einer pensionierten Richterin an der Spitze eingesetzt. Sie legte den Termin für Neuwahlen auf den

5. März 2026. Dank ihrer geschickten Führung blieben weitere Unruhen und Demonstrationen aus

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen fanden die Wahlen wie geplant und erfreulicherweise völlig friedlich statt. Die Übergangsregierung hatte auch gut vorgesorgt. Neben Polizei und Militär hatte sie zusätzlich 150.000 temporäre Polizistenwahlhelfer eingestellt und nach einem Kurztraining eingesetzt.

Eine erst vier Jahre alte Partei, die Rastriya Swatantra Party (RSP), konnte mit dem sehr beliebten 35-jährigen Bürgermeister von Kathmandu Balendra Shah, der für die aktive Teilnahme an den Wahlen sein Bürgermeisteramt niedergelegt hatte, die Wahlen haushoch gewinnen. Shah, von Haus aus promovierter Bauingenieur, machte seine Karriere als Rapper unter dem Künstlernamen Balen, der sein „Markenzeichen“ bleibt. Mit fast zwei Drittel aller Stimmen kann seine Partei regieren, ohne eine Koalition bilden zu müssen. Balendra Shah wurde bereits drei Wochen nach der Wahl am 27. März zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und vereidigt.

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 60 %, wobei 5,1 % der Stimmzettel ungültig waren. Letzteres hängt wohl mit der immer noch hohen Rate an Analphabetinnen und Analphabeten im Land zusammen. Als Erkennungszeichen führen deshalb alle Parteien auf ihren Wahlplakaten und Stimmzetteln neben ihrem Namen noch ein Symbol wie z.B. eine Glocke, einen Baum, einen Pflug oder eine Sonne. Die Glocke war übrigens das Symbol der Gewinnerpartei. 

Die Wahlbeteiligung war so niedrig, weil es in Nepal keine Briefwahl gibt. Gut zwei Millionen wahlberechtigte Nepalesen leben und arbeiten im Ausland und konnten aus finanziellen oder vertraglichen Gründen nicht zur Wahl nach Nepal reisen. Nur einige Wahlberechtigte aus Indien sind gekommen. Man kann auch nicht andernorts in einem Wahllokal wählen, sondern muss in sein Heimatdorf fahren, um seine Stimme abgeben zu können. Für viele Nepalesen aus dem Westen oder Osten des Landes war der zeitliche und finanzielle Aufwand zu groß. Aufgrund der Topographie des Landes ist das Straßennetz nicht so gut ausgebaut wie in Deutschland. Um z.B. von Kathmandu nach Pokhara zu fahren, muss man für die 200 km lange Strecke 8 bis 9 Stunden Fahrzeit im Bus veranschlagen. Eine zweitägige Anreise und mehrere Stunden Fußmarsch zum Heimatdorf auf bestenfalls Trampelpfaden sind in den entlegenen Dörfern im Osten oder Westen des Landes nicht unüblich. Sie sind verkehrstechnisch noch nicht erschlossen und können es eines Tages auch nur schwer werden.

Das Land setzt große Hoffnungen in die neue Regierung, denn sie bringt nicht nur neue Gesichter, sondern einen Generationen-Umschwung. So wurden bei den direkt gewählten Kandidaten 59 unter 40 Jahren gewählt, d.h. 38 % der direkt Gewählten sind unter 40 Jahre alt. Bei den vorangegangenen Wahlen im Jahr 2022 waren nur 11 % der direkt Gewählten unter 40. Das Durchschnittsalter von Nepals Bevölkerung ist 26!

Es ist den Menschen nur zu wünschen, dass die neue Regierung es schafft, das Land in eine neue Ära zu führen, in der es genügend und ordentlich bezahlte Jobs im Land gibt, so dass der Abwanderung in andere Länder zur Arbeit und für eine bessere Zukunft Einhalt geboten wird.

 

31.03.2026

 

Ellen Dietrich


Eine Vielzahl weiterer Rundbriefe, der vergangenen Jahre, finden Sie auch in unserem Downloadbereich zum Herunterladen als pdf.

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