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Rundbrief Nr. 44

Liebe Freunde,

so viel Anderes außer dem Wechsel in der Leitung hat sich dieses Jahr noch in unserem Verein ereignet, dass ich in diesem Rundbrief davon berichten möchte. Zudem besuchte uns die Familie Mütschele, die im vergangenen Schuljahr einen unserer Schützlinge beherbergte. Auch sie soll zu Wort kommen.

Menschen vor Flugzeug
(v.l.n.r.) Prakash, Ellen und Samjhana vor dem Einsteigen auf dem Flughafen Kathmandu

Das jüngste Ereignis war die mittels einer Petition im dritten Anlauf geglückte Ausreise aus Nepal von Samjhana Pun und Prakash Khatiwada, die in die internationale 10. Klasse im Friedrich Schiller Gymnasium in Marbach am Neckar aufgenommen waren und auch problemlos ein Visum von Deutschland erhalten hatten, was aber den nepalesischen Zoll zunächst nicht interessierte.

Wir starteten eine Petition, die wir mit unseren vielen Mailadressen schnell weit streuen konnten. Da Sie das Anliegen in Ihren privaten Verteilern noch verbreitet haben, kamen wir in gut einer Woche zu 1 121 Unterschriften, die wir an die deutsche Botschaft in Kathmandu und die nepalesische Botschaft in Berlin schickten. Haben Sie noch einmal herzlichen Dank für Ihre großartige Unterstützung, mit der Sie viel bewirkt haben.

Gasteltern, Paten und Freunde begrüßten uns herzlich auf dem Stuttgarter Flughafen. Im nächsten Rundbrief werden die beiden von ihren Eindrücken und ihrer Zeit in Deutschland berichten.

Rajesh und Pallavi
Rajesh und Pallavi bei ihrer christlichen Hochzeit

Ende August hat unser frischgebackener Betreuer, Rajesh, die junge Frau Pallavi geheiratet. Da beide zum Christentum konvertiert sind, ließen sie sich zunächst im kleinen Kreis christlich trauen. Für ihre Verwandten, Freunde, unsere Kinder und Hausangestellten veranstalteten sie eine große hinduistische Hochzeit.Tagelang studierten unsere Kinder Tänze zum Vorführen ein und übten jede freie Minute. Ihnen zuzusehen war ein richtiger Augenschmaus. Es freute mich sehr, dass die Kinder sich so hineinknieten, damit das Fest so wunderschön werden konnte. Auch bastelten sie aus Eierkartons ein Mobile.

 

Pallavi hatte wenige Monate zuvor ihren Bachelor in „social work“ soziale Arbeit abgeschlossen und passt von daher perfekt in unser neues Team, das nun nicht mehr ausschließlich aus Männern besteht.

Hinduhochzeit
Pallavi und Rajesh bei ihrer hinduistischen Hochzeit
Wolfgang Hahl, Ellen Dietrich, Margit Hahl in Nepal
(v.l.n.r.) Wolfgang Hahl, Ellen Dietrich, Margit Hahl

Im Frühjahr besuchten uns Wolfgang und Margit Hahl, um mit unseren Betreuern, Praktikantinnen und Praktikanten sowie einigen interessierten Kindern Workshops zu alternativen Heilmethoden durchzuführen. Wolfgang Hahl, der schon als Jugendlicher sehr schwer krank war, hatte sich selbst Wissen über alternative Heilmethoden angeeignet und sich damit erfolgreich behandelt, nachdem die Schulmedizin ihm nicht helfen konnte. Sein Wissen hat er im Laufe der Jahre erweitert und in Deutschland Heiler ausgebildet. Jetzt will er dieses Wissen, das zum Teil aus Asien kommt, wieder dorthin zurückbringen. Er sucht junge Menschen, die Interesse an dieser Heilkunst zeigen, um sie intensiv auszubilden. Von ihrem Verein „Kristall Kinder der Erde“ brachten sie auch eine Geldspende mit, mit der wir die im Hausaufgabenraum des 3. Hauses dringend benötigten Tische und Bänke anschaffen konnten.

Waschbecken vor mit Affen bemalter Wand
Das neue Dschungelmotiv mit Affen an der Wand des Toilettenhäuschens

Unser Toiletten und Duschhäuschen mussten wir abreißen, weil unsere Vermieterin unseres 2. Hauses den ganzen kleinen Sportplatz für den

Bau eines neuen Hauses für sie und ihre Familie beanspruchte. Wir sind sehr dankbar, dass uns die amerikanische Stiftung „Sabin‘s Children Foundation“ unter die Arme griff, um den Bau zu finanzieren. Einige künstlerisch sehr talentierte Praktikantinnen verschönerten das Gebäude zusammen mit den Kindern mit phantasievollen Szenen aus dem Dschungel. Weitere Bilder gibt es im Update Nr. 9 hier im Blog.

Kinder beim Bemalen einer Wand
Shatyaman beim Malen

An dieser Stelle möchte ich auch den Spenderinnen und Spendern danken, die uns aus traurigem oder freudigem Anlass mit einer Spende im wahrsten Sinne des Wortes beglückt haben. Sie halfen uns Schulgeld und Unterhalt für neue Kinder, die noch keine Paten haben, zu bezahlen, notwendige Geräte und Gegenstände im Haus anzuschaffen, einen Zaun um den 2. Sportplatz beim 1. Haus zu ziehen, damit der Ball nicht ständig auf die Straße rollt, gemauerte Tischtennisplatten zu errichten, Arztrechnungen zu begleichen etc. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich Namen und Summen dieser Spender hier nicht erwähnen möchte, obgleich diese Zusatzspenden äußerst willkommen und hilfreich waren und auch in Zukunft sein werden. Ihr kleinerer monatlicher Beitrag ist für unsere Arbeit ebenso bedeutend wie diese Spenden. Auch Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Unsere erste Nepal Reise - von Familie Mütschele

Ein Jahr hat uns Ashok als Gastkind der internationalen Klasse in Marbach in unserem Alltag begleitet uns das ist die Familie Mütschele bestehend aus: Mama Anja, Papa Micha, Lara (19 Jahre in dieser Zeit im Auslandsjahr), Finn (16 Jahre, ebenfalls Schüler der internationalen Klasse) und Luzie (13 Jahre). Wir zeigten ihm nicht nur unser Land und unseren Alltag, sondern er erzählte uns viel über sein Heimatland. Nach und nach begannen wir uns für sein Land und seine Kultur zu interessieren. Gemeinsam mit Ellen Dietrich beschlossen Anja, Micha, Finn und Luzie, ihn und seinen „Bruder“ Jay Prakash nach dem Schuljahr zurückzubringen und dabei für 3 Wochen sein Heimatland und sein Zuhause zu entdecken.

Familie Mütschele in nepalesischer Kleidung
(v.l.n.r) Finn, Luzie, Micha und Anja Mütschele

Nepal ist ein faszinierendes Land, mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Dennoch fiel es uns in den ersten Tagen nicht leicht, unsere Eindrücke zu bewältigen, denn es gibt keine Möglichkeit, sich diesem Land langsam anzunähern. Alles strömte gleichzeitig auf uns ein. Da waren zunächst die Gerüche: Ob die allgegenwärtigen Räucherstäbchen, gebratener Mais am Straßenrand oder Opfergaben, ständig schien irgendwo irgendetwas zu brennen. Dann die Geräusche: Gebetsglocken, das Zischen der Schnellkochtöpfe, die schon morgens um 5.00 Uhr den Reis für das Frühstück weichkochten, Musik aus krachenden Lautsprechern, Hundegebell und Affengeschrei. Schließlich die Enge: Ob im Straßenverkehr, im Bus, in der Einkaufsstraße, im Tempel, beim Morgenappell in der Schule oder beim Tanzen während einer der unzähligen Feste, ständig waren wir Teil einer Menschenmenge. Man fließt mit und wird getragen und versteht schnell, dass eigene Zeitpläne hier schwer einzuhalten sind. Auch die Natur trat dichter an uns heran, als wir dies aus Deutschland kennen: Regen und Hitze, Katzen und Hunde, Kühe und Affen, Blutegel und Kakerlaken konnten wir nicht so leicht (ver)meiden wie in unseren Breitengraden.

Im Schulbus in Nepal
Es wird eng im Bus...

Sobald der erste „Schock“ überwunden war, stellten wir fest, dass wir Bus fahren können, ohne zu wissen, wo der Bus hinfährt, wo die Bushaltestellen sind, was die Fahrt genau kosten wird oder wie man aus dem völlig überfüllten Bus je wieder herauskommt.

Wir stellten auch fest, dass wir einkaufen gehen können, obwohl uns die Systematik des Sortiments völlig unklar war und wir die Auszeichnung der Waren nicht lesen konnten. Im Grunde konnten wir auch alles essen, ohne immer gen au zu wissen, was wir da eigentlich auf dem Teller hatten. Dieses Vertrauen, dass die Dinge schon irgendwie gut gehen werden, konnten wir entwickeln, weil die Nepalesen immer sehr fürsorglich waren. Sie waren es in einer so unaufdringlichen Art, dass wir erst nach und nach realisierten, wie stets auf uns geachtet wurde.

Jay Prakash mit seinen Gasteltern
Jay Prakash mit seinen Gasteltern

Die Erfahrungen, die wir in Ashoks Heimatland machten, trafen in besonderer Weise auch auf das Kinderhaus, das Haus der Hoffnung, zu. Auch hier war es so, dass alles buchstäblich sehr dicht an uns herantrat. Die Kinder begrüßten uns wie alte Bekannte, obwohl wir völlig fremde Menschen für sie waren. Sie setzten sich uns auf den Schoß und schmiegten sich um unseren Hals. Sie umringten uns und befühlten unsere Haare, Zahnspangen und Uhren. Sie lachten uns an und fragten ungeniert nach allem, was ihnen neu erschien. Sie zogen uns mit und integrierten uns wie selbstverständlich in ihre Spiele und Tänze. Die „Didis“ (Hausangestellten) sorgten sich rührend um uns und unser Wohlergehen. Hausleiter und Lehrer*innen halfen uns jederzeit. Das Ankommen und das Zusammenleben gestalteten sie unkompliziert und leicht.

Wir durften den Alltag der Kinder und Jugendlichen im Haus der Hoffnung miterleben

und waren Teil davon. Wir halfen bei den Hausaufgaben und der Wiederholung des Schulstoffes. Mit viel liebevoller Unterstützung von Lehrer*innen, Hausleitung und Praktikant*innen wird nach der Schule gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass der Unterricht in Nepal zu 90% daraus besteht, irgendetwas abzuschreiben oder auswendig zu lernen. Im Vergleich zu unseren westlichen Kindern beschäftigen sich die Schüler*innen jeden Tag ca. 10 Stunden lang und an sechs Tagen in der Woche mit Unterricht, Hausaufgaben und „Study time“ also Stoffwiederholungen. Mit viel Disziplin und zeitlichem Aufwand wird hier ein Lernfortschritt erzielt.

Abschließend können wir sagen, dass das Haus der Hoffnung ein Teil von uns geworden ist und wir in den drei Wochen einen unvergesslichen Eindruck in eine andere Kultur und das Miteinander im Kinderhaus bekommen haben. Danke dafür an Ellen, alle Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Mitarbeitende und ehrenamtliche Unterstützende.

Kinder im Haus der Hoffnung in Nepal
Die Kinder freuen sich sehr über den Besuch von Familie Mütschele

Dringend suchen wir noch ausrangierte Laptops, eBook Reader, Tablet PCs, die wir, nachdem sie von dem Verein Labdoo.org auf ökologische und nachhaltige Art und Weise aufbereitet und mit wertvoller Lernsoftware ausgestattet wurden, mit nach Nepal nehmen können. Wir setzen sie entweder bei uns im Haus ein oder geben sie an fern abliegende Schulen ab. Die Programme sind wirklich gut.

Bitte melden Sie sich vorab per Mail, damit wir die Ihrem Wohnort am nächsten gelegene Aufbereitungsstelle ausfindig machen können.

Über weitere Praktikanten und Paten würden wir uns sehr freuen.

Wenn Sie künftig unseren Rundbrief per Mail wollen, schicken Sie uns bitte Ihre E-Mailadresse an info@hausderhoffnung-nepal.de.

Bleiben Sie uns gewogen. Wir benötigen Sie dringend weiterhin. Und kommen Sie gut über die Festtage, den Winter und in das neue Jahr.

Ganz herzlich grüße ich Sie als

Tanzvorführung im Rahmen der Hinduhochzeit
Mit tollen Tänzen begeistern die Kinder die Hochzeitsgäste

Eine Vielzahl weiterer Rundbriefe, der vergangenen Jahre, finden sie auch in unserem Downloadbereich zum herunterladen als pdf.

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