Rundbrief Nr. 57

Sommer 2026

Liebe Freundinnen und liebe Freunde, 

 

die Zeit seit unserem letzten Rundbrief war in Nepal von baulichen Erweiterungsarbeiten an unserer Kusum School sowie von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen geprägt.

  

Die Vermieterin unserer Kusum School ließ das Schuldach reparieren und erwartete im Gegenzug von uns, dass wir das Schulgebäude außen und innen neu streichen. Es sah wirklich arg schäbig und wenig einladend aus. Aber so hatten wir es vor vier Jahren übernommen. Mit der Instandsetzung des Daches war klar, dass unser Fünfjahresvertrag verlängert würde. Unsere Vermieterin stimmte sogar unserem Wunsch nach Erweiterung der Schule auf 8 Klassen zu, obgleich damit ein zusätzlicher Teil ihres Grundstücks an die Schule fallen würde. So wurden seit Januar drei größere Klassenräume dazu gebaut, das Gebäude sowie die es umgebende Mauer innen und außen nicht nur neu gestrichen, sondern vom Lehrkörper und von einigen unserer großen Jugendlichen mit bunt gemischten Zeichnungen bedeutender, ansprechender, belehrender sowie lustiger Figuren und Sprüchen bemalt. Alles wirkt jetzt wie ein einheitlicher Komplex. Man fühlt sich dort jetzt sehr wohl. 

Das Fortführen unserer eigenen Schule und deren Erweiterung auf 8 Klassen war uns wichtig, weil wir die gesunde Mischung von theoretischem und praktischem Lernen fortführen wollten. Ferner hatte sich unser methodisch-didaktisches Konzept bewährt, das von dem in Nepal üblichen dozierenden Unterrichtstil abweicht. Einige an anderen Schulen gescheiterte externe Schülerinnen und Schüler, haben bei uns Fuß gefasst und entwickeln sich sehr positiv.

 

In dem am 4. Mai neu begonnenen Schuljahr führen wir sechs Klassen mit 66 eigenen und 27 externen Schülerinnen und Schülern. Die nepalesische Regierung genehmigt pro Schuljahr nur das Aufstocken um eine neue Klassenstufe.

 

Ohne Aula, Bibliothek und Schulsportplatz bekamen wir in dem seit kurzem durch die Regierung vergebenen Ranking für private Schulen ein „B“, was der Note „ gut“ entspricht. Unser Grundstück ist für solche wünschenswerten Zusatzeinrichtungen einfach zu klein. Jedoch kommt es im Leben nicht immer auf die optimalen Bedingungen an, sondern was man aus seinen Gegebenheiten macht. Diese nutzen wir bestens aus. Einige uns

bekannte Schulen bekamen gar keine Bewertung. Wir stellen einige Bilder zu unserer „neuen“ Schule auf unsere

Homepage.

Seit vielen Jahren versorgen und beschulen wir die Kinder unserer Mitarbeitenden zusammen mit unseren „eigenen“ Kindern auf Kosten des Vereins. Jetzt wollten wir auch etwas für deren Mütter tun, die größtenteils Analphabetinnen sind. Wir richteten für sie mit unserer Mitarbeiterin Sunita im Haus einen Alphabetisierungskurs ein, der anfänglich zögerlich und inzwischen gut angenommen wird. An sechs Tagen in der Woche lernen nun sechs Frauen für 90 Minuten täglich sowohl nepalesische Schriftzeichen als auch unser lateinisches Alphabet schreiben und lesen sowie die englische Sprache in Grundzügen. Sie können sich inzwischen zweisprachig vorstellen. Ihr Selbstbewusstsein wächst merklich.

Zum ersten Mal in der Geschichte unseres

Vereins führten wir in unserem Haus für alle unsere Mitarbeitenden eine zweitägige Fortbildung mit einem dreiköpfigen nepalesischen Fortbildungs-team auf Nepalesisch durch. In der

interaktiven Veranstaltung ging es darum, Selbst- und Fremdwahrnehmung zu

schulen, sich und den Anderen

ganzheitlich zu betrachten, Beziehungen zueinander sowie die Kommunikation

untereinander und mit den Kindern zu verbessern. Alle Beteiligten empfanden

diese Fortbildung als sehr wertvoll und gewinnbringend für sich und ihre Arbeit im Haus und wünschen sich eine Fortsetzung. Die Mitarbeitenden auf allen Ebenen fühlten sich dadurch wertgeschätzt. Eine zweite derartige Veranstaltung ist für das nächste Jahr angedacht.

  

Zum Nachdenken über ihre Zukunft wurden unsere Jugendlichen, die gerade Deutsch lernen, in einem 3 stündigen Workshop mithilfe von selbstgemalten Bildern angeregt.

 

Ihnen sollte damit geholfen werden, ihre Ziele zu formulieren und ihre eigenen Ängste in Worte zu fassen, um selbstständig handeln zu lernen. Dieser Ansatz ist für nepalesische Jugendliche völlig fremd und neu, denn man tut, was Ältere einem sagen.

Ein älterer Deutscher besuchte uns und nahm am Lieblingsausflug der Kinder, dem Besuch des Spaßbades „Whoopee Land“, teil. Als er feststellte, dass die meisten unserer Kinder nicht

schwimmen können, spendierte er einen 10-stündigen Schwimmkurs für alle. Er sorgte auch für die entsprechenden Ausrüstung wie z.B. Schwimmflügel. Wir fingen mit den jüngeren Kindern an, weil wir sie am leichtesten aus dem Unterricht im gerade begonnenen neuen Schuljahr lösen konnten. Sie sind mächtig stolz auf ihr neues Können. Voller freudiger Aufregung hat nun die zweite Gruppe mit 20 Kindern ihren Kurs begonnen.

„Unser“ Berliner Zahnarzt, Manu Sabri, der seit vielen Jahren jedes Frühjahr einen mehrwöchigen Freiwilligen Dienst

 

im Krankenhaus in Sanku leistet (Es gibt in Nepal keine freien Arztpraxen. Alle sind an Krankenhäuser angeschlossen.), kümmert sich seit ein paar Jahren nicht nur um die Zahngesundheit unserer Kinder, sondern hat auch angefangen, Kinder mit gravierenden Zahnfehlstellungen auf seine Kosten in die Kieferklinik in Kathmandu zur Behandlung zu schicken. Es sind inzwischen immerhin zehn.

 

Einem jungen Mann, der von dem beispielhaften Gratisangebot profitierte, wurde als erstem gerade seine Zahnspange entfernt. Sieht er nicht gut aus? Wir danken unserem Zahnarzt sehr herzlich für diese zum Selbstwertgefühl beitragende Unterstützung.

 

Vermehrt bekommen wir von Einheimischen Zuwendungen in Form von Nahrungsmittelspenden. Anlässlich des ersten Geburtstages ihres Sohnes spendierte uns eine Familie ein Tiffin, eine Zwischenmahlzeit. Eine Firma tat das Gleiche. Und ein Mann brachte nach einem kurzen Anruf bei Rajesh Obst und Gemüse vorbei. Wir freuen uns über diese kleinen, für uns wertvollen Gaben und die damit verbundene Abwechslung in unserem Speiseplan.

Wie Sie aus unserem letzten Rundbrief wissen, kamen im August/September 2025 die ersten weltwärts Freiwilligen zu uns, die volle 12 Monate bleiben sollten. Wir atmeten auf, weil es endlich möglich wäre, die Monate Juni bis September zu überbrücken, in denen wir fast keine Volunteers hatten, diese aber wegen des Schuljahresbeginns mit den neuen Kindern bestens hätten einsetzen können. Leider zerschlug sich diese Lösung bald, weil auf politischer Ebene noch keine Einigung für ein so langes Visum gefunden werden konnte. Deshalb mussten sie im Februar/März in andere Länder versetzt werden. An der Einigung für das Schuljahr 2027/2028 wird auf politischer Ebene

gearbeitet. Dringend suchen wir daher ab sofort noch weitere Praktikantinnen und Praktikanten innerhalb unseres alten Programms und freuen uns auf Bewerbungen von Jung und Alt. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Homepage.

 

 Neben der Arbeit mit den Kindern haben unsere Freiwilligen auch den Jugendlichen, die berufsvorbereitend in Nepal Deutsch lernen, zusätzlichen Unterricht zum offiziellen Deutschkurs gegeben, damit sie in unserer Sprache fitter werden. Mangels Volunteers vor Ort fragen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, ob Sie nicht bereit wären, zwei oder drei Mal in der Woche eine Stunde online Deutsch einzeln oder für eine kleine Gruppe zu geben? Bei Interesse

melden Sie sich bitte per E-Mail. Wir haben dieses Jahr bisher nur acht Kinder aufgenommen. Für sie und unsere Erstklässler suchen wir noch Paten. Schreiben Sie uns bei Interesse per E-Mail an. Drei Mädchen und neun Buben haben dieses Jahr die 10. Klasse erfolgreich abgeschlossen. Jetzt gehen sie für zwei Jahre ins College, um das nepalesische Abitur zu machen. Wir freuen uns mit ihnen über ihren Erfolg und gratulieren herzlich.

Aus persönlichen Gründen ist Frau Ingrid Schneider-Winter nach sechsjähriger Tätigkeit von Ihrem Amt als Schriftführerin zurückgetreten. Wir danken ihr herzlich für die geleistete Arbeit und wünschen ihr alles Gute. In Frau Beate Anders, die schon seit ein paar Jahren die Briefe der Paten für die Kinder einsammelt, haben wir eine Nachfolgerin gefunden. Wir freuen uns auf die stärkere Zusammenarbeit mit ihr. Jedoch suchen wir noch immer ein oder zwei weitere Personen, die bereit sind, sich in die Arbeit des Vorsitzes einzuarbeiten.

 

Sofern noch nicht geschehen, senden Sie uns bitte Ihre E-Mail-Adresse, damit wir Ihnen unseren Rundbrief elektronisch schicken können. Das spart Zeit und schont die Umwelt.

 

Im Namen aller Kinder danke ich Ihnen für Ihre Unterstützung und bitte Sie, uns die Treue zu halten. Besonders bedanken möchte ich mich bei jenen, die anlässlich ihrer Pensionierung oder eines runden Geburtstags anstelle von Geschenken um Spenden für unseren Verein baten.

 

 

Mit freundlichen Grüßen


Eine Vielzahl weiterer Rundbriefe, der vergangenen Jahre, finden Sie auch in unserem Downloadbereich zum Herunterladen als pdf.

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